27.02.2023
Vulkanausbruch
La Palma:
Details
eines bevorstehenden Ausbruchs waren bekannt
In den letzten Tagen wurde von verschiedenen Spanischen Medien ein Artikel
publiziert, in dem es um den Informationsaustausch der einzelnen Institute und
Behörden in den Tagen vor dem Vulkanausbruch in der Cumbre Vieja geht, der hier
frei übersetzt ist.
Heute wissen wir aus den vom Wissenschaftlichen Ausschuss veröffentlichten
Berichten, den offiziellen Dokumenten des Kanarischen Vulkan-Notfallplans sowie
aus den Berichten über die beobachteten Ereignisse und die vom Spanischen
Institut für Geologie und Bergbau (IGME-CSIC) durchgeführten Überwachungsmaßnahmen,
dass wir um alles, was passiert ist, mit Ausnahme des Vulkans, herumgekommen wären,
wenn die Behörden nur die Warnungen der Wissenschaftler beachtet und das von
der geltenden Rechtsordnung vorgesehene Protokoll eingehalten hätten.
Das haben sie in skandalöser Weise nicht getan, und heute ist es der
Nachbar, der alles verloren hat, der die Folgen zu tragen hat. Wären sie protokolltreu
gewesen, hätten sie den juristischen, moralischen, sowie den wirtschaftlichen
Schaden Schaden, den Verlust von Eigentum und damit verbundenen Gefühlen
vermieden, welche durch den Ausbruch des Vulkans Tajogaite entstanden sind. So
wurde das Leben Tausender Palmeras und Palmeros zerstört hat und deren Zukunft
gefährdet.
Es ist bekannt, dass seit 2017 die ersten Voreruptionssymptome auf der
Insel zu erkennen waren. Die Wissenschaft hatte vor ihnen gewarnt, ohne dass
irgendein technisches Büro der Gemeinderäte oder das Cabildo die Bevölkerung
gewarnt hätte. Sie erteilten weiterhin bis zum September 2021 Baugenehmigungen
und Bewohnbarkeitszertifikate, wobei sie eindeutig ihre Pflichten vernachlässigten,
indem sie eine Gefahr für die Sicherheit von Menschen und Eigentum in einem
Gebiet, dessen Monate gezählt waren, nicht meldeten. Heute wissen wir auch,
dass es bis zum Ausbruch des Vulkans unzählige geologische Ereignisse gab, die
jedes Mal in einer geringeren Tiefe stattfanden und bei denen die Vorläuferparameter
des Ausbruchs zunahmen, wovor Wissenschaftler die Behörden mindestens sieben
Tage vor dem Ausbruch des Vulkans Tajogaite warnten.
Die Behörden, die diese Warnungen und Informationen kannten, kümmerten sich
nicht um die Interessen der örtlichen Bevölkerung. Sie weigerten sich sogar am
Sonntagmorgen, dem 19. September, die Beweise zu sehen und versäumten es somit,
die gefährdete Bevölkerung zu warnen, damit diese ihr Leben und ihr Eigentum
sichern und schützen konnte.
Die
Geschichte des Verrats
Wie in der Darstellung der Ereignisse, die von der Leitung des Instituto
Geológico y Minero de España, IGME-CSIC, in der Revista Digital del Consorcio
de Compensación de Seguros, Ausgabe 15, Herbst 2021, aufgezeichnet, wurde die
Geologische Notfalleinheit (URGE) am 11. September aufgrund des
unkontrollierten Anstiegs der Seismizität und ihres Aufstiegs an die Oberfläche
in Voralarm versetzt. Am 11. September wurde die Geologische Notfalleinheit (URGE)
aufgrund der unkontrollierten Zunahme der Seismizität und ihres Aufstiegs an
die Oberfläche in Voralarm versetzt, um eine kontinuierliche Überwachung des
Prozesses durchzuführen und einen Vulkanausbruch in der Cumbre Vieja mit großer
Sicherheit vorhersehen zu können. Schon am selben Tag wusste man, dass man es
mit einem strombolianischen Phänomen zu tun hatte, bei dem ein Lavafeld von
mehr als 700 Hektar mit einer maximalen Dauer von 84 Tagen entstehen könnte. Das
ist die Präzision, mit der die Wissenschaft arbeitet. Wenige Tage später und
angesichts des raschen Anstiegs der Erdbeben an die Oberfläche versetzte die
IGME die geologische Notfalleinheit (URGE) in Alarmbereitschaft, die vollständig
in den wissenschaftlichen Ausschuss PEVOLCA integriert werden sollte.
Am 13. September 2021 warnte der wissenschaftliche PEVOLCA-Ausschuss in
seinem Bericht, dass die Helium-3-Emissionen den magmatischen Charakter des
Prozesses bestätigten und den höchsten in den letzten 30 Jahren beobachteten
Wert darstellten, weshalb die Alarmstufe auf die gelbfarbene Ampel erhöht und der
PEVOLCA-Plan aktiviert wurde. Es sei daran erinnert, dass es in der Woche vom 13.
bis 19. September 2021 mehr als 21.000 Erdbeben gab, die alle von den
Wissenschaftlern aufgezeichnet worden sind und über die in den Medien ausführlich
berichtet wurde.
Am 15. September 2021 ergaben die wissenschaftlichen Modelle der
geologischen Notfalleinheit nach Feldarbeit und Erkundung der von diesen Phänomenen
betroffenen Gebiete sowie nach Untersuchung der geophysikalischen Parameter
eine maximale Wahrscheinlichkeit eines strombolianischen Ausbruchs innerhalb
von 7 Tagen ab dem 15. September. Zu diesem Zeitpunkt setzte sich der
Koordinator der Geologischen Notstandseinheit (URGE) direkt mit dem
Nachrichtendienst der Militärischen Notstandseinheit in Verbindung, um alle
Informationen zu übermitteln, die auf eine UNMITTELBARE Eruption in dem
festgelegten Gebiet hinwiesen, in dem die Eruption einige Tage später
stattfinden würde. Am selben Tag, dem 15. September, wurden die Behörden mit
der gleichen Präzision der Informationen und der gleichen Alarmstufe gewarnt,
und als Folge der Warnung aktivierten sie die Zivilschutzpläne, die die
wahrheitsgemäße und aktuelle Information der Bevölkerung beinhalteten, um Leben
und Eigentum zu schützen, was von der PEVOLCA-Direktion, der kanarischen
Regierung und von unserem Cabildo und den Stadtverwaltungen ignoriert wurde.
Am 17. September ortete die Geologische Notfalleinheit (URGE) das Magma in
einer Tiefe zwischen 11 und 13 km und bestätigte damit den Beginn des Bruchs
der Erdkruste von unten, wegen des hohen Gasgehalts, der für den magmatischen
Aufstieg zur Oberfläche verantwortlich war und die endgültige Ursache der
Eruption darstellte. An diesem Tag, am 17. September, wurde die Eruption erneut
als UNMITTELBAR eingestuft.
Am 18. September wurde das bisher stärkste Erdbeben mit einer Stärke von 3,8
und einer Tiefe von weniger als 2 km registriert. Die geologische
Notfalleinheit alarmierte erneut die Behörden, den Wissenschaftlichen
Ausschuss, die Direktion PEVOLCA und die UME und wies darauf hin, dass die
Eruption innerhalb der nächsten 24 Stunden stattfinden würde.
Die Palmeras und Palmeros sahen die sich anbahnende Katastrophe nicht und
vertrauten wieder einmal auf die Botschaften der absoluten Ruhe, die von den
Behörden, den Medien und den verschiedenen Nachbarschaftstreffen zu dieser Zeit
verbreitet wurden. Und obwohl die Behörden über diese Informationen verfügten,
verleugneten sie sie weiterhin gegenüber den Bewohnern, während sie
gleichzeitig ihre Familien und Freunde vor den bevorstehenden Ereignissen
warnten. Die Worte von Amílcar Cabrera sind ein beredtes Zeugnis für die
Vorgehensweise des Cabildo: "Der Palmero hat einen Fabrikdefekt, wäre es
klug gewesen, sie vorher zu warnen? Sie hätten uns sicher als Panikmacher
bezeichnet".
Die Wahrheit ist, dass die Bewohner, wenn sie sieben Tage im Voraus gewusst
hätten, dass der Ausbruch unmittelbar bevorsteht, ihr Hab und Gut, ihre
Erinnerungen, ihr Leben und ihren Besitz hätten versichern können. Die
Verwaltung und die Behörden haben mit ihrer bewussten Unterlassung entschieden,
dass es Bürger erster Klasse geben sollte, die privilegierte Informationen
hatten, und Bürger zweiter Klasse, die mit verbundenen Augen lebten. Dies war
die Realität für mehr als 7.000 Menschen.
Die Verwaltungen hielten sich nicht an das im Dekret 112/2018 vorgesehene
Alarmierungsprotokoll, in dem die Verfahren des kanarischen Vulkan-Notfallplans
festgelegt sind.
Das Cabildo de La Palma hielt am selben Tag dem 18. September um 18:00 Uhr,
für die Bewohner von Las Manchas de Abajo, San Nicolás und Jedey und um 19:30
Uhr für die Bewohner von La Bombilla, El Remo und Puerto Naos eine
Informationsveranstaltung in der Halle der Lucha Canaria Federico Simón ab. An
diesem Tag beruhigte uns Herr Morcuende, Dienststellenleiter der Notfalleinheit
von La Palma, indem er uns mitteilte, dass die Politiker beschlossen hätten,
die Ampel auf Gelb zu belassen, wenn eine Evakuierung der gefährdeten Bevölkerung
nicht möglich sei. Einige fragten, was denn noch passieren müsse, nachdem wir
das Erdbeben der Stärke 3,8 unter unseren Füßen gespürt hatten, um die Ampel
auf Orange zu stellen, wo eine Evakuierung obligatorisch ist. Stavros
Meletlidis vom Nationalen Geographischen Institut antwortete, dass die Ampel
erst dann auf Orange umgestellt werden kann, wenn die Wahrscheinlichkeit eines
Ausbruchs sehr hoch ist, ohne dass die Bevölkerung gefährdet wird. Mit den
Daten, über die die Betroffenen jetzt verfügen und die uns seit dem 15. September
vorenthalten wurden, hätte die PEVOLCA-Leitung mit der Regierung der
Kanarischen Inseln und dem Cabildo von La Palma an der Spitze angesichts der ständigen
und wiederholten Warnungen der Wissenschaftler auf eine rote Ampel umschalten müssen.
Denn sie wussten seit dem 17. September, dass der Ausbruch unmittelbar
bevorstand, eine Situation, die von der URGE weniger als 24 Stunden vor dem
Ausbruch bekräftigt wurde.
Ebenfalls am 18. September, um 17:25 Uhr, erklärte der Präsident des
Cabildo von La Palma, Mariano Hernández Zapata, gegenüber der Nachrichtenagentur
EFE, dass es keine Anzeichen dafür gebe, dass ein Vulkanausbruch auf der Insel
unmittelbar bevorstehe, und erinnerte daran, dass die Geologische
Notfalleinheit bereits die UME informiert und die Behörden alarmiert habe, die
jedoch weiterhin die gelbe Ampel aufrechterhielten.
Heute wurde in den kanarischen Medien berichtet, dass ein Politiker währenddessen
seine Freunde anrief und sagte: "Geht nach Hause, der Vulkan wird gleich
explodieren, sagt eurer Familie Bescheid…". Der Rest von uns hatte dieses
Privileg nicht.
Die Ereignisse spitzten sich am 19. September zu, als der diensthabende
technische Direktor von PEVOLCA, Jorge Parra López, um 11:42 Uhr die
Intensivierung der Maßnahmen und die vorbeugende Evakuierung der gefährdeten
Bevölkerung empfahl. In den Dokumenten der Kanarischen Regierung, des Notrufs 112
und der PEVOLCA und des Wissenschaftlichen Ausschusses waren sogar die
Koordinaten des Ortes, Las Manchas-Jedey enthalten, an dem die Eruption
stattfinden würde und sie verfügten bereits über eine Simulation des Verlaufs
der Lavaströme. Dreieinhalb Stunden später brach der Vulkan aus, ohne dass
jemand etwas getan hätte, um unser Leben und unser Erbe zu schützen.
Der technische Direktor von PEVOLCA räumt um 11:42 Uhr ein, dass sich der
Prozess in diesem Moment in der prä-eruptiven Phase befindet, was technisch und
rechtlich im Dekret 112/2018 de facto die sofortige Erhöhung der Alarmstufe auf
die orange Ampel bedeutet. Weiterhin heißt es in demselben Dokument definitiv,
dass die Intensivierung der Maßnahmen und die präventive Evakuierung der gefährdeten
Bevölkerung empfohlen wird. Fakten, die nicht anders interpretiert werden können,
als dass die PEVOLCA die Evakuierung empfohlen hat, dies aber nicht getan wurde.
Man befand sich also in der Voreruptionsphase und weshalb der Erlass 112/2018
Vulkanischer Notfallplan der Kanarischen Inseln nicht eingehalten wurde und die
orangefarbene Ampel zu keinem Zeitpunkt aktiviert wurde, wurde nie erklärt.
Die Justiz wird darüber zu entscheiden haben, ob es eine Verantwortung bei
der politischen Bewältigung der Katastrophe gibt oder nicht. Vorerst werden all
diese Daten und offiziellen Berichte als Hintergrundinformationen für die
Klagen dienen, die derzeit verfasst werden.