05.12.2022
"Ja,
es war nicht alles schlecht!"
Ich habe lange in der BRD gelebt und gearbeitet und weiss, dass meine
Generation, also die zwischen 1945 und 1955 oder noch etwas später geborenen,
die beste je dagewesene Zeit in Europa in vielerlei Beziehung voll ausgeschöpft
hat.
Besonders in der BRD!!! Es ging jahrelang immer besser mit Allem, was zu
einem ganz normalen Alltag gehörte: Die
Gehälter der Eltern stiegen, anfangs noch im Pfennigbereich, es gab ständig
technische Neuerungen, die vor allem den Müttern immer mehr lästige Arbeiten
abgenommen haben. Vom Mixer über Staubsauger bis hin Elektroherden und
Waschmaschinen. Es gab im Laufe der Jahre Fernseher in jedem Haushalt, Autos für`n
1. Urlaub am Gardasee oder in Rimini. Mikrowellengeräte, Wasserkocher, Toaster,
elektr. Bügeleisen nicht zu vergessen. Es ging FÜR ALLE MIT ALLEM ständig "bergauf".
Das Wirtschaftswunder, auch noch einige Zeit nach Erhard, hatte vorerst mal
bewiesen, dass der Nachkriegs-Kapitalismus das bessere System war, auch und vor
Allem für den "Kleinen Mann". Meine Eltern konnten noch realistisch wünschen,
dass es meiner Generation mal besser gehe, als ihnen. WIR können das schon
nicht mehr, und unsere Kindergeneration, also die zwischen 1970 und 1980
geborenen können sowas wiederum ihrem Nachkommen schon 3x nicht mehr zusagen
oder gar versprechen. Und es wird immer schlimmer werden, wenn der "homo
idiotens" so weitermacht wie bislang. Und dafür spricht ja Einiges.
Ich habe zwar die 68er erlebt, war aber nicht wirklich ein politischer
Mensch. Mir war schon immer Anderes viel wichtiger. Angefangen über Politik,
etc., nachzudenken habe ich erst einige Jahre später, im Berufsleben, als mir
so langsam diverse Lichter aufgingen, in Sachen Firmenbosse-Ethik,
Gewerkschaften, Politikversäumnisse, Lobbyismus, Wachstum, etc. Schon in den frühen
80ern, habe ich, z.T. sehr erbitterte Diskussionen über die Sinnhaftigkeit von
ewigem Wachstum mit Volks- und Betriebswirtschaftlern geführt. Ist natürlich
nix dabei herausgekommen, wie immer in solchen Konstellationen.
Die großen Firmen, wie besonders auch IBM, mein Arbeitgeber, haben noch
Wert auf zufriedene Mitarbeiter gelegt und sich, auch monetär, entsprechend
verhalten. Ohne meinen damaligen Arbeitsvertrag hätte ich bis 67 arbeiten müssen.
Beim bloßen Gedanken daran bekomme ich Schüttelfrost ....
ICH hatte einen klasse Job in diesem Deutschland, obwohl ich mir auch schon
damals gut vorstellen konnte, auszuwandern. Dass ich in DE geblieben und nicht
in die USA gegangen bin, war eher einigen Nachteilen für den sozialstaatverwöhnten
Arbeitnehmer geschuldet. Damals war in der Tat so Einiges recht gut "in
diethem untherem Lannde" für Otto-Normalo. Fest steht aber, auch im Rückblick:
ICH mit MEINEM Job hätte in den USA ein deutlich luxuriöseres Leben geführt,
weil ganz einfach der Netto-Dollar viel mehr wert war als die Netto-DM. Allerdings
bin ich aus heutiger Sicht auch nicht wirklich unglücklich darüber, dass ich es
nicht durchgezogen habe.
Und dann, in den späten 80ern, ging es los mit dem Sozialabbau an allen
Fronten. Angefangen beim Wohnungsmarkt, über Mietentwicklung,
Gesundheitspolitik, Arbeitsplatzsicherung usw, usw... Und all das ging einher
mit geradezu zwanghafter Gewinnmaximierung an genauso vielen Fronten. Dank 1000en
von Lobbyisten in Bonn, später Berlin, ist fast alles aus dem Ruder gelaufen,
was mal Sozialpolitik genannt wurde, traurigerweise anfangs auch noch von den "Sozen"
selbst so richtig vermasselt. Jahrelang wurde brotblöde dabei zugesehen, wie
die Sozialschere immer weiter aufgegangen ist. Was sich heutzutage die Vorstände
großer Unternehmen erlauben ist doch an Dreistigkeit nicht mehr zu schlagen,
obwohl sie es immer wieder versuchen und auch beweisen, dass es geht. Tja, solange
man sie regierungsseitig machen lässt.... Und inzwischen sind wir bei einem
vollkommen asozialen Kapitalismus angekommen.
Selbst ein sog. IBMer bekam das spüren. Die Führungsebenen wurden neu
besetzt und plötzlich war es völlig irrelevant, ob ein Mitarbeiter sich noch
fair behandelt fühlte, oder nicht. Es wurden allerlei Wege gefunden, um auch am
Mitarbeiter richtig Geld zu sparen, ihm immer mehr zuzumuten, bei immer
mieseren Bedingungen. Und was macht das Gros der Doofen? Es legt sich hündisch
in`s Zeug, um der eigenen Karriere Willen, und beweist so dem "Management",
dass es funktioniert und sich wohl noch ein wenig mehr "optimieren" ließe.
Ich war 20 Jahre lang ein hoch zufriedener Arbeitnehmer, aber meine letzten 8-10
Jahre wurden wirklich zunehmend unerfreulich und ich hatte ein letztes Mal im
Arbeitsleben riesiges Glück, einen SO alten Arbeitsvertrag gehabt zu haben, der
auch eine fantastische, offenkundig nicht anullierbare, Altersversorgung
beinhaltete und man mir diese als Bestandteil eines noch viel fantastischeren
Vorruhestandsangebots zuteil werden ließ. DAS hat man kurz nach mir und
etlichen weiteren „Glücksrittern“ allerdings auch noch eingestampft.
Dazu kam die immer schlimmer werdende Enge, wegen viel zu vieler Menschen,
in den Ballungsräumen, und da fand mein Leben ja nun mal statt. Das Auto- und
Motorradfahren wurde zur reinen Qual, die allgemeine Abzockerei rund ums
Autofahren unerträglich. Benzinpreise, Garagen- oder Stellplätze,
Versicherungen, schwachsinnige Beschränkungen, einfach alles.
Aber: Mietpreisbremse, Energiemarkt ordnen, vernünftigen Mindestlohn,
Deckelung von Vorstandsgehältern - Pustekuchen. Was für ein "würdevolles"
Leben lässt sich denn heutzutage mit 12€, oder - vielleicht demnächst - 14€
Stundenlohn führen. Die Pfeifen, die SOWAS verfügen, haben nicht den Hauch
einer Ahnung, wie sich SOWAS anfühlt. Und nach wie vor traut sich niemand mal
das Bevölkerungswachstumsproblem anzusprechen, das Rentensystem auf steuerliche
Füße zu stellen, das Gesundheitssystem wieder zu verstaatlichen, ebenso wie die
„Deutsche Bahn“. Freie Marktwirtschaft sollte wahrlich nicht für alle Bereiche
gelten. Und nach den Sozen die Christdemokraten – 16 lange Jahre federführend!!
Nun, was soll man denn DA erwarten? Vertreten in aller Öffentlichkeit die
absurden, dümmlichen Erzählungen eines Märchenbuches und haben ebenfalls den
Begriff "Demokratie" nicht wirklich verstanden, oder wollen nicht
verstehen.
Was so alles in der Lokalpolitik passiert ist Schilda hoch-10. Für
irrwitzige Projekte werden 100te von Milliarden aus Steuern finanziert. Und
keiner der Verantwortlichen in Regierungskreisen wird jemals zur Rechenschaft
gezogen, wenn`s mal wieder, meist durchaus ab- und verhersehbar, in die Grütze
ging. Da gibt`s hie und da mal einen Untersuchungsausschuss der als Ergebnis so
gut wie immer das Hornberger Schießen nachäfft. Dass ein Politiker per se „immun“
sein sollte, ist schon eine Ungeheuerlichkeit ohnegleichen.
Man hat auch seelenruhig dabei zugesehen, wie das große Auslagern von
Produktionsstätten begann, mit dem Erfolg, dass heutzutage so gut wie alles mit
viel zu vielen Bauteilen aus Asien, besonders aber aus China, bestückt ist. So
viele technische Errungenschaften und Wissen sind auf diese Weise nach Asien
gelangt. Jetzt hängt alles, weil man im ganzen Technologie-Westen ähnlich
bescheuert war, von den Chinos ab. Ein böser Fehler, wie sich noch zeigen wird.
Hier kommt vielleicht aber doch noch Putins einziges "Verdienst" zum
Tragen: Der Beweis, dass erfolgreiche, wirtschaftliche Zusammenarbeit
keineswegs zwangsläufig zu verlässlichen, ehrlichen Partnern führt.
Im gleichen Zug sind Arbeitsplätze weggefallen, man hat den Firmen
rechtliche Möglichkeiten gegeben, über Firmenumgestaltungen u. dgl., Änderungskündigungen
mit saftigen Gehaltseinbußen auszustellen. Wem das nicht passte, wurde „dem
Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung gestellt“. Das Lohnniveau ist deutlich
gesunken und gipfelt in den Billiglohnsektor. Da brüsten sich allen Ernstes
gewisse Arschlöcher mit den derzeit geringsten Arbeitslosenzahlen seit quasi
Menschengedenken.
Stichwort Lohn: Wieviele Familien mag es geben, die nicht einfach in den
Mediamarkt gehen und sich mal eben `ne neue Waschmaschine, oder einen Kühlschrank
kaufen, oder mal einen richtig guten Flatscreen oder eine schicke
Wohnlandschaft bei renommierten Herstellern? Wieviele müssen Monate sparen, für
2 Wochen all-inclusive Urlaub in Antalya, oder „DomRep“? Es werden immer mehr. Wieviel
Familien gibt es, die, je nachdem wo sie das Pech haben leben zu müssen, mehr
als 50% ihres Nettoeinkommens für Mieten auszugeben haben? Wieviel tappen deshalb in ihrer Not und oft
auch Einfalt in Schuldenfallen, aus denen es kein Entrinnen mehr gibt? Auch DA
sollte „Der Staat“ eingreifen. Die Leute haben inzwischen noch nicht mal mehr genug
Geld, um die aus Asien, wegen dort noch viel schlimmerer Verhältnisse,
importierten Billigwaren bezahlen zu können.
Sozialstaat?? Das ich nicht lache. Deutschland ist am Verkommen.
Von meinen 35 Jahren Arbeitsleben - nach Schule, Lehre und Bund (nie wieder
war etwas ähnlich überflüssig) - waren die ersten 20 gut, die nächsten 10
gingen so und danach gings bergab.
Und zum Arbeiten und Rente erwirtschaften war es keineswegs optimal, noch
nicht mal gut genug. Für MICH wäre, ohne die IBM-Pension, auch nach 45
Arbeitsjahren die ganz, ganz große Ernüchterung gekommen, wie für so viele
andere auch. Wer sich schon mal schlau macht, was denn so zu erwarten ist, im
Alter, bekommt sicher arges Gehirnschwabbeln.
Deutschland bezahlt bei Weitem die schlechtesten Renten in Westeuropa. Die
sollten sich schämen für sowas. Schweden, Holland, Dänemark, Norwegen, Österreich,
Schweiz haben DEUTLICH höhere Renten, weil dort eben auch die Arbeitgeber zu
gleichen Teilen in ein vollkommen anders finanziertes System einbezahlen. Manche
zahlen sogar 14 Renten pro Jahr und alle über 75%. Um ohne Einbußen weiterleben
zu können, sollten 80% des letzten Nettogehaltes nicht unterschritten werden,
so eine offizielle Lesart.... Ein geschmackloser Witz für deutsche Rentner. Die
kriegen nämlich derzeit nur ca.48%!!! Noch!! Da ist das letzte Wort sicher noch
nicht gesprochen. Und wie viele, haben heute noch während ihres Arbeitslebens
die Möglichkeit auf privater Basis Nennenswertes für`s Alter zurückzulegen,
oder werden sie noch haben?
Ich jedenfalls habe mein lebenslanges gutes Auskommen nicht DE und seinen
Gesetzen und Lenkern zu verdanken. Es war das Glück der frühen Geburt und der
herrschenden wirtschaftlichen Verhältnisse, wozu am wenigsten die Regierungen
etwas konnten, und des richtigen Arbeitgebers. Und DAS war `ne Tochter eines,
schon damals zu Unrecht sehr in der Kritik stehenden, AMI-Konzerns. Ich hatte
tatsächlich nie Geldsorgen und durchaus Freude am Dasein, weil nämlich Geld
sehr wohl glücklich macht!!!
Es stimmt natürlich auch, dass La Palma auf gar keinen Fall die bessere
Wahl für ein Arbeitsleben gewesen wäre. Nie und nimmer, noch nicht mal wegen
des Klimas, hätte ich hier meinen Lebensunterhalt verdienen wollen. Aber wir
kennen andererseits einige, die hier mit ihrer dürftigen deutschen Rente
deutlich angenehmer und „würdevoller“ leben, als es „zuhause“ möglich wäre. Auch
und ganz besonders die Menschen aus der DDR. Es wäre schon sehr eng geworden,
in der Heimat. Hier leben sie ganz entspannt in schönen Wohnanlagen, verglichen
mit dem, was in DE möglich gewesen wäre, der pure Luxus, und weitgehend ohne
Geldsorgen.
Dass ich es dann doch so lange ausgehalten habe in DE, lag schlicht daran,
dass irgendwann mal der Punkt überschritten war, an dem ein vernünftiger
Neuanfang realistisch und im Bereich meiner Möglichkeiten gewesen wäre. Irgendwo
in Europa wäre ich ja eher vom Regen, ohne Umweg über die Traufe, direkt in
eine andere Scheisse gerauscht. Nur in USA, so in den 70ern bis in die späten 80er, wäre für mich ein „Upgrade“ an Lebensqualität denkbar gewesen. Und auch dort nur in Südkalifornien, wegen - natürlich - des Wetters und Klimas. Ich hab`s in 65 Jahren nicht geschafft, dem deutschen
Wetter irgendwas abzugewinnen, weil man sich eben auch NICHT an Alles gewöhnt....