17.06.2022

 

Deutsche Sprake - schwere Sprake?

 

Das war vielleicht mal so. Jetzt ist sie vor Allem Eines: Ein Sprake, das hat särr schwärr, wegen Sprakverstümmelung. Seit Jahren wird jedenfalls daran in einer Weise herumgewurschtelt und -gewerkelt, dass es Jedem, der derselben halbwegs mächtig ist, täglich neues Grauen verursacht.

 

So hat man z.B. Konjunktive im ganz normalen Sprachgebrauch zum allgemeinen Standard erhoben. „Ich würde sagen, meinen, denken, vermuten, mir wünschen...“ usw. Ja, wie jetzt? Wenn WAS wäre? Wenn ich Hirn hätte?   Oder, seit Neuestem würde ich mir mal die Mühe machen folgende Worte in Diskussionsrunden zu zählen: „tatsächlich“ und „sozusagen“... Das wird immer mindestens hoch 2-stellig. Was sich auch eingeschlichen hat: Es gibt ein „ganz“ nicht mehr. Es ist immer alles „ganz-ganz“ wichtig, seltener „ganz-ganz-ganz“ unverzichtbar, aber ein einzelnes „ganz“ ist zur Gänze abgeschafft.    

 

Und jetzt ist auch noch das „Gendern" hinzugekommen.

 

„Gendern“!!

 

Es gibt – m. E. zu Recht - dafür keine deutsche Entsprechung! Das ist per se Hirn-Diarrhoe! „Gender“ bedeutet das soziale, also das gefühlte, nicht das biologische Geschlecht und man kann beim besten Willen kein Verb daraus bilden. Oder wie klingt „(ver-)geschlechteln“? Das stört aber dieses Sprachverunstaltungspack nicht die Bohne.

 

Ein neuer Höhepunkt ist entwickelt: „Gender-Mainstreaming“ - extra für „Hardcore-Anglizismen-Hirnis“, denn diesen Begriff gibt`s (einmal mehr) im enlischsprachigen Raum gar nicht! „Gender diversity“ schon, aber dafür könnte man ja „Geschlechtervielfalt“ einsetzen – Igitt, dasja Deutsch! Geht ja gar nicht! Was sollen denn da die Leute denken?

 

Man hat sich also auf ein angehängtes „*innen“ geeinigt, sodass Deutsch nun endlich frauengerechter werden kann. Bürger*innen, Politiker*innen, Lehrer*innen, Schüler*innen, usw., usw.... Alles nur, damit Frauen sich wahrgenommen fühlen? Wirklich? Sowas haben moderne deutsche Frauen nötig? Wieviel Selbstwertgefühl muss denen fehlen, wenn sie DARAUF angewiesen sind. Es war ja schon dämlich genug ständig beide Geschlechter - immerhin noch grammatikalisch richtig - anzuwenden: Jede Rede war gespikt mit „Liebe Politikerinnen und Politiker, Bürgerinnen und Bürger, Schülerinnen und Schüler“, etc., weil es ja NUR SO politisch korrekt sei.

 

UND ALLE, oder zumindest  VIEL ZU VIELE, MACHEN MIT!!!

 

In meinem Bekanntenkreis sind dergleichen "Weibchen" jedenfalls und glücklicherweise nicht "Vorkommende", um mal diese zusätzlich eingeführte Absurdität zu erwähnen. Man bemüht sich nämlich zu allem Überfluss auch noch, statt dem Anhängen von „*innen" Verlaufsformen zum Hauptwort umzuwidmen: Schwimmer*innen werden zu Schwimmenden, Läufer*innen zu Laufenden, Schreiber*innen zu Schreibenden, Handwerker*innen zu Handwerkenden... Und was ist mit Bürger*innen? Gibt`s jetzt auch Bürgernde???

 

Wer hat schon von Maurer*innen, von Spengler*innen, Tischler*innen, Schreiner*innen, oder gar Totengräber*innen gehört oder gelesen? "Mauernde, Spenglernde, Tischlernde, Schreinernde, Totengräbernde"? Nee, DAS klingt momentan noch allzu doof, da wollen wir mal nicht so pingelig sein.

 

Und dann gibt es noch diverse andere Schwierigkeiten, da sich dieses Schwachmatentum nur im Plural auftut: Gibt es nun Köche*innen, oder bleibt man bei Koch*innen? Kandidaten*innen oder Kandidat*ìnnen, Schmiede*innen oder Schmied*innen? Nun, hier bleibt es dann eben bei Köchinnen, Kandidatinnen und Schmiedinnen. Und wo ist nun die männliche Form? (An alle „Männernde“ an dieser Stelle: Lasst euch das nicht bieten! Wo kommen wir denn da hin?)  Blieben also nur "die Kochenden, die Kandidierenden, die Schmiedenden“, aber wie behindert klingt DAS denn?

 

Bin gespannt, wann irgend so eine Figur aus der Abteilung "Journaille-Punzel*innen", also eine Punzelnde, darauf kommt sich am Menschen direkt zu vergreifen: Der Mensch, die Menschin, die Mensch(en)*innen oder gar die Menschenden????

 

Es gibt den Industrie-, Groß- u. Einzelhandelskaufmann, Zimmermann, Seemann inkl. Klabautermann, den Fährmann, den Ob- oder Ombutsmann... wollt ihr Mensch*innen in letzter Konsequenz wirklich Seefrauen, Zimmerfrauen oder Ombutsfrauen sein? Bloß, weil es neben dem Ehemann die Ehefrau gibt? Seid ihr tatsächlich SO „mädchend“, SO bedauernswert „weibchend“??? Was tut ihr der Deutschen Sprache an, ihr Püppies???

 

Was? ICH übertreibe? Wo genau?

 

 

Da sind mir ja fast diese Fremdwörter-Junkies lieber,...

 

...die mit einer Anglizismenwut, die weltweit Ihresgleichen sucht, unterwegs sind. Es ist in den schon recht weit zurückliegenden Jahren ein vermeintliches „Bildungsbürgertum“ entstanden, das seinem Stand und Bildung durch scheinbar unvermeidliche Fremdwörter zusätzlichen „Glanz“ zu verleihen sucht. Den oberschlauen Chef-Rhetoriker raushängen zu lassen ist inzwischen ja beinahe zu einer Komödianten-Kunstform geraten. Es greift eine Fremdwörtersucht in einer Weise um sich, die sich wohl in keiner anderen Sprache so wiederfindet. Nicht wirklich komisch, eher lächerlich, wie ich finde. Keine Zeitung, oder Zeitschrift, kein Rundfunksprecher, kein Journalist, kein Werbefachmann, kein Politiker (die schon gar nicht) glaubt heute noch, ohne eingebrachte Fremdwörter auskommen zu können. Die sind auch noch stolz darauf, dergleichen absondern zu können, weil man es von vermeintlich rhetorisch ausgefuchsten „Profis" aufgeschnappt hat.

 

Zuerst wurden solche Angebereien noch in Anführungsstriche gesetzt, bald danach nicht mehr, und heute sind sie kaum noch wegzudenken. Wie armselig unsere Sprache über so viele Jahrhunderte augenscheinlich doch war, ohne Bereicherungen wie „Motivation, meeting, multi- oder bi-lateral, progressiv, adäquat, hearing, know-how, container, posten, chatten, credibility, skill“, etc., obwohl es für JEDES Wort eine deutsche Entsprechung gibt. Im Grunde sollten in allen Presseorganen Mitarbeiter eingestellt werden, die alle entbehrlichen Fremdwörter ausmerzen. Warum man, außer mancher moderner technischer Begriffe, oder auch wissenschaftlicher „Termini", die, übersetzt ins Deutsche, in der Tat u.U. nur für Verwirrung sorgen, selbst in einfachsten Zusammenhängen, Latinismen und, schlimmer noch: Anglizismen bemühen muss, entzieht sich jedenfalls meinem Begreifen.

 

Man geht nicht mehr Kleidung einkaufen, sondern „shoppen" für „outfits", um sich ein wenig „up-zu-scalen“. Es gibt keine Veranstaltungen mehr, keine Ereignisse, Aufführungen, Auftritte oder Feiern. Alles wird zur „quality-time“ auf „events", selbst in den hinterwäldlerischsten Feuerwehr- oder Schützenvereinen. Und auf diesen wird nicht mehr aufgetreten, gesungen, getanzt, vorgetragen oder gespielt – „performt" wird, „PERFO-HORMT"!!! Keinesfalls noch in Hallen, Aulen, Theatern, Gewölbekellern, Hinterzimmern, Höfen, nein, in „locations" findet sowas heutzutage statt. Einfaches Allgemeinwissen ist längst dem „Know-How" gewichen, dessen Inhalte „contents“ genannt werden, die Meisterschaft, der Wettstreit und Wettbewerb dem „contest", womöglich auf „charity-events“ mit „playern“ die „ge-scouted“ wurden. Die besondere Herausforderung wich selbstverständlich einer „challenge". Dinge werden nicht mehr veröffentlicht, man muss sie „posten“. Einfach mal etwas zuzugeben ist ebenfalls außer Mode: Man „outet“ sich, oder hat sein „coming-out“.

 

UND ALLE MACHEN MIT!!!

 

Es gibt keine Treffen mehr, kein Beratschlagen, keine Besprechungen, keine Unterredungen, keine Zusammenkünfte – „meetings" sind das! Es wird „ge-meeted" und man „committed" sich für irgendwas im gemeinsamen „spirit" für jeden noch so überflüssigen Scheiß. Es wird nichts mehr zugelassen, erlaubt oder genehmigt, man bekommt ein „GO", welches u.U. nochmal „double checked" wird, bevor man es neuerlich „confirmed". Man äußert auch nicht mehr Meinungungen, Mitteilungen, Verlautbarungen, Einlassungen, Behauptungen - man sondert „statements" ab. (wann hat man das letzte Mal das Wort „Aussage“ vernommen, außer vor Gericht?) Der weiland als „Stubenhocker“ bekannte Außenseiter, gibt heute als „youtuber“ den Meinungsmacher, Pardon, „influencer“, der anstelle irgend eines, wie auch immer gearteten, Eindrucks einen „impact“ hinterlässt. Für Wortwahl sagt man nun „wording“, für Hintergrundinformation (Erzählung, Geschichte) „narrativ“. Man mache mal den Test, sobald Jemand ein „brain-storming“ raushaut, diesen zu fragen, was DAS denn eigentlich bedeutet. Ich wette, von „gemeinsamem Überlegen“ wird erst nach einigem Nachdenken die Rede sein. „Übersetzen se ma „start-up“, Müller!!!“ Dieser ganze Sprachkehricht könnte niemals von einem einfachen Hausmeister zusammengefegt werden, es bedarf zumindest eines „facility managers".

 

UND ALLE MACHEN MIT!!!

 

Der „consultant" berät in Sachen „assets" und „human resources", um die „business targets" zu erreichen und so die „leadership" „safe" zu machen. Das ist „essential" für das „standing" einer „company", besonders bei „global playern"(nicht players - playern). Ein Rennfahrer ist keineswegs einfach nur sauschnell: er hat den „Speed". Wieso eigentlich den? Man geht nicht mehr an den Strand - stattdessen an die „Beach"!!! Selbst ein „un-cooles" Gör' ist nicht mehr einfach nur doof – „Bitch!" schrillt's da aus Kleinmädchenkehlen. Es wird „ge-postet, ge-whatsappt (oder gar whats-ge-appt), ge-liked, up-ge-loaded (ge-up-loaded)“, dass die Schwarten krachen. Man „kämpft und fighted", nicht selten gar gleichzeitg (mehr geht nun wirklich nicht), und sicherlich nicht als Anspielung auf das berühmte „Vom feeling her habe ich ein gutes Gefühl!". Bei ungewolltem Bekanntwerden von Dingen wurde man „ge-leaked“. Wenn man diese Ergüsse dann liest, oder eben auch hört, fängt einem doch die Galle an zu schäumen.

 

UND ALLE MACHEN MIT!!!

 

Man beeilt sich, angesprochen auf dergleichen Bockmist, zu betonen, dass die Sprache nun mal lebendig und in ständigem Wandel sei... Wenn ein ohnehin dramatisch sinkender Wortschatz und grammatikalische Kompetenz, ausgelöst durch vollkommen krankhaftes Verwenden von „handies“, auch noch zusätzlichen Abbau durch dramatisch verblödende Anglizismenwut erfahren, ist das kein lebendiger Wandel sondern Verstümmelung.

 

Schlimm um sich gegriffen hat auch der Gebrauch von Wörtern wie „kommunizieren" oder „eskalieren", die dann, als Gipfel des hirnlosen Gesabbers, falsch angewendet werden, in Sätzen wie: „Wir müssen das zeitnah (auch so'n Gebilde), oder auch besser kommunizieren!". Gerne genommen wird auch „Ist das schon (weiter- / hoch-) eskaliert worden?" Hohlköpfe! Überall! In den üblicherweise ohnehin inhaltsleeren Verlautbarungen von so genannten öffentlichen Personen, befinden sich auch Sachen wie „kurze briefings", in denen auf die Notwendigkeit „co-operativer Zusammenarbeit" hingewiesen wird, weil sonst schlimmstenfalls alles im „worst case szenario“ endet. Es gibt „Einzigste" und „Meistverdienenste", „Bestaussehenste", „oberste Prioritäten" und „optimalste Voraussetzungen", usw., usw.

 

UND ALLE MACHEN MIT!!!

 

Dass der Dativ dem Genitiv sein Tod ist, weiss man ja spätestens seit Bastian Sicks gleichnamigem Buch, aber dass die allgegenwärtige Sprachvermüllung immer dollere Blüten treibt ist schon sehr, sehr traurig. Es geht steil bergab mit der Sprache des Alltags.  Na, ja, bin ja dann eh mal weg...

 

Einmal mehr: Armes Deutschland!

 

 

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